2004

Trotz Allem – Allen Grund zur Freude

5 Jahre Regenbogen-NAK

Konferenzsaal

Seit 1999 gibt es nun schon die Regenbogen-NAK und das wurde in Berlin gefeiert. Zum 14. Treffen versammelten sich schwule, lesbische und transidente Geschwister vom 8. bis 10. Oktober 2004 in der deutschen Hauptstadt.

Schon an der Rezeption des Jugendgästehauses erwartete ein Flyer die Gäste, der ein umfangreiches Programm versprach. Wenig Schlaf war da wohl schon vorprogrammiert. In einem Restaurant gleich um die Ecke wurde dann erst mal Wiedersehensfreude ausgelöst und die vielen neuen Teilnehmer freuten sich gleich mit.

So manch einer hatte dann Mühe sich am nächsten Morgen aus dem Bett zu schwingen, aber alle waren pünktlich anwesend, als die Berliner Gastgeber die Begrüßungsworte an die Versammelten richteten. Nach einem kurzen Gebet wurden die Tagesordnungspunkte kurz bekannt gegeben, gefolgt von einer kurzen Vorstellungsrunde. Über den Aufbau und die Geschichte der Regenbogen-NAK berichtete dann der Sprecher der Homosexuellen, damit auch die neuen Teilnehmer einen Überblick erhielten.

Der nun folgende Punkt nahm den größten Teil der Diskussion ein: Die aktuelle Stellungnahme der NAKI zum Thema Homosexualität, wie sie bei Glaubenskultur nachzulesen ist (bei der Gelegenheit: Transsexualität scheint kein erwähnenswertes Thema für die Kirchenleitung zu sein.)

Zwar ist diese Stellungnahme noch nicht ans "Glaubensvolk" ausgegeben, die Amtsbrüder werden jedoch schon damit konfrontiert. Offensichtlich wurden die von der Regenbogen-NAK formulierten Erwartungen wenig berücksichtigt. Im Vorwort zu dieser Stellungnahme, die den gesamten Bereich Sexualität betreffen soll, räumt die NAKI ein, dass Moralvorstellungen stets einem Wandel unterliegen. Die Ablehnung der praktizierten Homosexualität (und hier ist nicht nur der sexuelle Akt, sondern auch die Liebe gemeint) lehnt sie aber unter Berufung auf Bibel und christlichen Traditionen ab. Dieser offensichtliche Widerspruch wurde von den Teilnehmern stark bemängelt. Dass eine Kirche, die zeitgemäßes Wort verkündigen will, mit Bezug auf "christliche Traditionen" argumentiert, befremdete alle Teilnehmer sehr.

Positiv wurde bewertet, dass nicht mehr ausdrücklich, wie noch in den Hausregeln von 1997, zur Abstinenz aufgefordert wird. Auch dass Gott alleine über die Schwere entscheidet, ist eine begrüßenswerte Erkenntnis. Warum die Kirche dann aber gleich selber urteilt, und homosexuellen Amtsträgern und Lehrkräften die Fähigkeit zum Ausüben ihrer Tätigkeit abspricht, blieb den Lesern dieser Zeilen unklar. Was für seelische Nöte in einem nicht geoutetem Amtsträger nun ausgelöst werden, ob er sich nun weiter verstecken und verbiegen soll oder sich zwangsouten muss, das konnte man sich offenbar in den Gremien und Versammlungen der Kirchenleitung nicht vorstellen. Ein Kommentar zur vorläufigen Stellungnahme wird nun formuliert und demnächst auf der Homepage der Regenbogen-NAK veröffentlicht.

Dass die Regenbogen-NAK nicht nur debattiert, sondern auch sehr aktiv ist, zeigten dann die Berichte der seit dem letzten Treffen durchgeführten Aktionen. So konnte auf dem Jugendtag in der Schweiz durch Verteilung von Flyern auf uns aufmerksam gemacht werden, ein ansehnlicher Betrag konnte an NAK karitativ für die AIDS-Aufklärungsarbeit überreicht werden und in Süddeutschland fand wieder ein Regionaltreffen statt. Zu dem konnten wieder Gespräche vor Ort mit Amtsträgern geführt oder zumindest geplant werden. Weitere Regionaltreffen sind in Planung, so für die Schweiz, NRW und Norddeutschland (nähere Infos bald auf dieser Seite).

Sowohl im März als auch im Juli gab es Aufrufe zum Gedenken an die unerlöst in die Ewigkeit gegangenen Homosexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen.

Auch der Ausbau der englischsprachigen Seiten soll weiter forciert werden. Die Termine zu den nächsten Treffen im Jahr 2005 wurden dann ebenfalls bekannt gegeben.

Im Anschluss an die Sitzung gab es ein kurzes Sightseeingprogramm mit Reichstag, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz und... Döner Bude!

Am Abend hatten viele fleißige Hände den Saal für die Jubiläumsfeier hergerichtet. Noch bevor das Essen eintraf, bekamen wir Besuch vom Vorsteher der Gemeinde Moabit, in der am nächsten Morgen der Gottesdienst besucht werden sollte. Der Vorsteher berichtete, dass er bei der Vorbereitung auf den morgigen Gottesdienst schon über den Begriff Regenbogen gestolpert sei, denn der Stammapostel erwähnte eine Stelle in der Offenbarung 4, 3, in der der Thron Gottes beschrieben wurde. Alle Teilnehmer waren von der ehrlichen und offen Art des Gesprächs angetan und die Vorfreude auf den Sonntag somit gesteigert.

Doch der Abend war noch nicht zu Ende. Nach dem Essen folgten noch Gesangseinlagen, Comedy und viele schöne Gespräche untereinander. Alles in allem nahmen an diesem Jubiläum 42 Menschen teil.

Der Sonntagvormittag wurde für uns zu einem außergewöhnlich intensiven Erlebnis. Der Gemeindevorsteher, Priester Jablonka, vermochte in seinem Dienen eine schöne Nähe und Wärme zu vermitteln. Viele schöne Gedanken gaben einer jeden Seele Zuversicht und ein freudiges Lächeln auf die Lippen. In den nachfolgenden Gesprächen wurde deutlich, dass es wohl tatsächlich das Wirken Gottes war, das immer wieder den aktuellen Bezug zu unserer persönlichen Situation herstellte. Grundlage des Gottesdienstes war Hebräer 4, 16: "Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben."

Eingangs des Gottesdienstes sang die Gemeinde aus dem Lied 240 "Sieh' ich breite voll Verlangen sehnlich meine Arme aus ..." Damit war für uns der Bezug zum Entschlafenengedächtnis im März dieses Jahres hergestellt, wo wir unserem Aufruf gerade dieses Lied vorangestellt hatten. In seinem Eingangsgebet bat Priester Jablonka Gott auch darum, uns in diesem Gottesdienst eine Verbindung mit der Ewigkeit zu bereiten.

Ja, Hilfe benötigen viele von uns – im Glauben und in unserem Lebensalltag. Das haben wir uns in unseren Gesprächen während der Tage zuvor mitteilen können. Besonders bewegt uns ja der uns bekannt gewordene Inhalt der kirchlichen Stellungnahme zum sexuellen Verhalten. Wie sehr hätten wir gerne Gewissheit über die Gedanken Gottes. Denn nach unserer Auffassung kann der von der Kirchenleitung verlautbarte "Kompromiss", der die weltweiten kulturellen Eigenheiten und die christliche Tradition berücksichtigt, nicht wahrhaftig Gottes Wille sein. So empfinden viele von uns große Glaubensnot – und hoffen auf die gegenwärtige Hilfe Gottes.

Im Verlauf seiner Predigt nahm Priester Jablonka Bezug auf Offenbarung 4, 3: "Und der da saß [auf dem Thron im Himmel; d.V.], war anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Thron, anzusehen wie ein Smaragd." Ist das ein Zeichen der Liebe unseres himmlischen Vaters? Nach dem Dienen des Gemeindevorstehers sang der Chor aus dem Lied CM 60: "Ich hab' dich je und je geliebt ..."

Nicht trefflicher konnte das von der ganzen Gemeinde gesungene Schlusslied CM 86: "Der Herr ist mein Licht ..." gewählt sein, das für uns alle einen intensiven Wunsch enthält: "... dass ich bleiben möge im Hause des Herrn ..." Viele Augen waren recht feucht, als wir uns ansahen ... Möge Gott seine Hand schützend über uns halten und christliche Liebe und toleranten Umgang in den Gemeinden unserer Kirche schaffen. Ja, den gibt es durchaus schon.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es bei Kaffe und Keksen einen regen Gedankenaustausch mit vielen Gemeindemitgliedern, die noch mit uns einige Zeit in der Kirche verweilten. Eine Offenheit, wie sie in allen Gemeinden zu wünschen wäre! Das von Martin vorgetragene Lied "Caro mio ben ..." war hier ein weiterer Höhepunkt.

Berlin ist ja immer eine Reise wert. Es wird wohl manchen von uns geben, der der Einladung des Gemeindevorstehers folgen wird, und seinen nächsten Besuch in Berlin auch zu einem Gottesdienstbesuch in Berlin-Moabit nutzen wird.

So langsam mussten einige die Heimreise antreten, der Rest konnte noch gemeinsam zu Mittag essen, eh auch diese Runde sich auflösen musste. Und ein jeder dürfte auf dem Heimweg sich noch weiter gefreut haben, an diesem Wochenende in Berlin gewesen zu sein.

Unsere Versammlungsstätte in der Bürgermeister-Reuter-Stiftung

 


Nächste Treffen:

4.-6. Mai 2018 : Münster (Deutschland)

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