2002

Sechstes Treffen der Regenbogen-NAK in Uster / Zürich (Schweiz)

Vom Samstag 26. Januar bis zum Montag, 28. Januar 2002 fand das erste Treffen der Regenbogen-NAK in diesem Jahr statt. Ursprünglich war geplant gewesen, das Treffen in Frankfurt durchzuführen, es hatten auch schon etliche ihre Teilnahme daran zugesagt. Aber dann geschah etwas, was die Pläne etwas durcheinander brachte: Nach langem Bemühen war es uns gelungen, mit der Projektgruppe Gegenwartsfragen (PG-GF) in Kontakt zu kommen und wir wurden zu einem Gespräch eingeladen. Natürlich war nun klar, dass unser nächstes Treffen in erster Linie der Vorbereitung dieses Gesprächs mit der PG-GF dienen würde und dass es auch Sinn macht, die Termine so miteinander zu verknüpfen, dass die weit verstreut wohnenden Teilnehmenden nicht unnötig reisen mussten. Da das Treffen mit der PG-GF in Zürich stattfinden sollte, bot Jolanda an, das Treffen in Uster zu organisieren.

So kam folgendes Programm zustande:

  • Samstag, 26. Januar: Treffen in Uster
  • Sonntag, 27. Januar: Gottesdienstbesuch in Uster und Vorbereitung des Treffens mit der PG-GF
  • Montag, 28. Januar: Treffen mit der PG-GF in der Verwaltung der NAK Schweiz in Zürich Hottingen
  • Für das Treffen am Samstag und Sonntag hatte sich der Vorsteher der Gemeinde Uster freundlicherweise bereit erklärt, die Nebenräume der NAK zur Verfügung zu stellen, der Bezirkskälteste war auch einverstanden. So fand zum ersten Mal ein Treffen der Regenbogen-NAK in Räumlichkeiten der NAK selber statt. Für die damit an den Tag gelegte Offenheit und das entgegengebrachte Vertrauen danken wir den Verantwortlichen an dieser Stelle ganz herzlich.

    Der Empfang der Anreisenden (manche waren auch schon am Freitag Abend eingetroffen) war sehr herzlich. Die Frauen: Claudia und Christin wurden bei Jolanda untergebracht, die Männer: Oliver, Mark, Sicco, Jan und Peter wurden bei einer befreundeten Glaubensschwester aufgenommen. Weiter kamen aus der Umgebung Zürich noch Martin, Armin und noch ein Martin dazu. Wie immer fand zuerst eine Vorstellungsrunde statt, in der alle ihre jeweiligen Geschichten, aber auch ihre Wünsche und Erwartungen an das Treffen und an die NAK allgemein zum Ausdruck brachten.

    Dabei wurde eines besonders klar: die Geschwister, die sich hier versammelt hatten, hatten alle den selben Wunsch: den Glauben in der NAK als vollwertige und aufrichtige Mitglieder leben zu können, ohne sich selbst verleugnen zu müssen und ohne sich dabei zu verstecken. Dieser Gedanke kann als das eigentliche Leitmotiv des Treffens bezeichnet werden.

    Besonders schön in diesem Zusammenhang war, dass die Gruppe am Samstag Nachmittag vom Vorsteher persönlich begrüßt wurde. Er kam kurz vorbei, um uns in seiner Kirche willkommen zu heißen und uns ein schönes und produktives Treffen zu wünschen. Der Rest des Treffens wurde damit verbracht, Ideen und Gedanken für das Treffen mit der PG-GF zu sammeln und diese für die weitere Arbeit am Sonntag festzuhalten. Zum Abschluss gingen die Teilnehmenden gemeinsam essen.

    Der Tag begann mit dem gemeinsam Besuch des Gottesdienstes in der Gastgebergemeinde Uster. Das Dienen des Vorstehers und der mitdienenden Brüder stimmte uns alle zuversichtlich, und das fröhliche Eingangslied trug das seine zu einem optimistischen Anfang des Tages bei. Im Anschluss an den Gottesdienst ergaben sich noch etliche persönliche Gespräche mit Geschwistern aus der Gemeinde. Danach gingen sich die Teilnehmenden umziehen und trafen sich kurz danach schon wieder in den Nebenräumender Kirche, wo mit Würstchen, Brot und Käse eine kleiner Steh-Lunch improvisiert wurde. Danach ging es darum, die Sitzung mit der PG-GF vorzubereiten und sich darauf zu einigen, was wir dort vortragen wollten.

    Besonders im Vordergrund standen dabei folgende Punkte:

  • Lebenslange Enthaltsamkeit ist keine Perspektive:
  • Der Mensch ist nicht geschaffen, alleine zu sein, auch gleichgeschlechtlich orientierte Menschen haben dieselben Bedürfnisse nach Nähe, Geborgenheit und Liebe. Man kann sich nicht ernsthaft vornehmen, sein ganzes Leben lang prinzipiell auf alles zu verzichten, was mit Partnerschaft und Sexualität zu tun hat, ohne daran zu Grunde zu gehen. Genau wie für Heterosexuelle ist es unsere Aufgabe, der Sexualität in unserem Leben einen Platz zu geben. Dem steht der erste Satz der Hausregeln ("Die praktizierte Homosexualität heißt die Kirche nicht gut, sondern rät zur Abstinenz") als unüberwindbares Hindernis im Wege: damit ist jegliche Möglichkeit einer verantwortungsvollen Gestaltung des Lebens mit einem Partner von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Regenbogen-NAK wünscht sich deshalb die ersatzlose Streichung dieses Satzes aus den Hausregeln.

  • Problem der Sünde und der Vergebung:
  • Wenn jegliche Form gleichgeschlechtlicher Liebe grundsätzlich sündhaft sein soll und zugleich erkannt wurde, dass Homosexualität konstitutionell ist, dann ergibt sich für die betreffenden Menschen ein unauflösbarer Konflikt: um Sündenvergebung erlangen zu können braucht es

    1. Die Erkenntnis, dass das Tun sündhaft war,

    2. Reue und Sehnsucht nach Vergebung,

    3. Den ernsthaften Vorsatz, das Tun künftig zu meiden.

    Wie aber sollen wir bereuen, dass wir unseren Partner, unsere Partnerin lieben? Wie sollen wir uns ernsthaft vornehmen, unsere gegenseitige Liebe nie wieder ihre Erfüllung in der gegenseitigen Hingabe finden zu lassen?

  • Was ist ein gangbarer Weg:
  • 1. Wir leben strikte nach den Hausregeln: Ein Weg, der durch Liebesverbot, Hoffnungslosigkeit und Aussichtslosigkeit gekennzeichnet ist. So können wir nicht leben. So leben auch diejenigen nicht, die uns diesen Rat allenfalls erteilt haben, so leben die Apostel und die meistens Amtsträger auch nicht. Es hat uns noch niemand überzeugend erklärt, weshalb um alles in der Welt man so leben sollte.

    2. Wir leben so, wie der liebe Gott uns gemacht hat: d.h. als gleichgeschlechtlich liebende Menschen. Wenn wir das tun, finden wir uns im ständigen Zwiespalt über der Frage der Sünde und der Vergebung: ein Konflikt, der wie oben aufgezeigt, unauflösbar ist. Wir können zwar mit der inneren Emigration reagieren: wir sind zwar äußerlich noch in der Kirche, innerlich kümmern wir uns aber nicht um das, was sie sagt. Aber als aufrichtige Menschen können wir so auch nicht leben.

    3. Wir kehren der Kirche den Rücken: Wir halten all diese Widersprüche nicht länger aus und wählen statt der inneren die äußere Emigration, d.h. wir verlassen die Kirche. Dem gegenüber steht aber, dass wir diese Kirche lieben, sie als unsere Heimat betrachten und unseren Platz in ihr finden möchten.

    Dies knapp dargestellt das Resultat der Besprechung vom Sonntag Nachmittag. Es wurde beschlossen, diese Punkte den Vertretern der PG-GF entgegen zu bringen und zu versuchen, ihnen auch mit persönlichen Berichten darzulegen, in welche Nöte die betreffenden Geschwister geraten.

    Als Abschluss des anstrengenden Nachmittags wurden dann noch einige Lieder gesungen und Claudia beschloss den Arbeitstag mit einem Gebet, in dem wir auch ganz besonders um Gottes Segen und das Gelingen für das bevorstehende Treffen baten. Danach ging's zum Abendessen, wo die Stimmung sehr fröhlich wurde.

    Auch an diesem Treffen war es für alle eine wunderschöne Erfahrung, dass Menschen aus verschiedenen Ländern (Deutschland, Niederlande und die Schweiz), die sich z. T. noch nie gesehen hatten, so schnell Zugang zueinander finden können. Auch die Erfahrung, in aller Offenheit über Dinge zu sprechen, über die man oft mit niemandem reden kann, und dabei auf Verständnis und Unterstützung zu stoßen, war einmal mehr für uns alle eine Wohltat.

    Den Montag begannen wir mit einem kurzen Treffen in der NAK Uster, bei dem noch einmal die wichtigsten Punkte und das Vorgehen für das Treffen am Abend besprochen wurden. Leider mussten manche auch schon nach Hause reisen und es hieß, Abschied zu nehmen. Um auch noch etwas von der Schönheit der Gegend und vom Wetter zu haben, machten wir am Nachmittag einen Spaziergang am Greifensee und hatten so auch noch Gelegenheit zu vielen persönlichen Gesprächen und zum ungezwungenen Austausch. Danach machten wir uns gemeinsam auf dem Weg nach Zürich in die Verwaltung der NAK Schweiz in Hottingen, wo wir uns mit den Vertretern der PG-GF verabredet hatten. Ein Bericht über dieses Treffen folgt in wenigen Tagen hier.

     


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