2007

Mit unserer Buntheit unsere Mitmenschen anstecken

Das 22. Internationale Treffen der Regenbogen-NAK vom 22. - 24.06.2007 in Nürnberg (Deutschland)

Keine andere deutsche Stadt besuchten die deutschen Könige und römischen Kaiser häufiger und lieber als Nürnberg. Vom 22. - 24. Juni 2007 erhielt die historische Stadt an der Pegnitz erneut Besuch: Die Frankenmetropole war Austragungsort des 22. Internationalen Treffens der Gruppe Regenbogen-NAK. Aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Südamerika waren homo-, bi- und transsexuelle neuapostolische Christen sowie deren Familienangehörige, Freunde und Bekannte nach Nordbayern gereist, um ein Wochenende der Begegnung, des Erfahrungsaustausches und der gemeinsamen Planung und Arbeit zu verbringen. Viele der rund 65 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zum ersten Mal bei einem Treffen der Regenbogen-NAK dabei.

 

Zu Gast bei Freunden

Untergebracht waren die Gäste aus vier Ländern in der wildromantischen Jugendherberge in der Kaiserburg sowie in zwei Hotels in Innenstadtnähe. Die Organisatoren Ralph, Tobias und Martino hatten hervorragende Arbeit geleistet. Es gelang ihnen, einen völlig reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und dabei jederzeit souverän und unangestrengt zu wirken. Zur Eröffnung des Treffens begrüßten sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Restaurant "Estragon", einem sozialen Projekt der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e.V. In stimmungsvollem Ambiente und bei hervorragendem Essen wurde das Wiedersehen mit guten Freunden gefeiert und Bekanntschaft mit neuen Gesichtern geschlossen. Für die musikalische Untermalung sorgte ein klassisches Gitarrenduo, für gute Laune die sympathische und herzerfrischend komische Bedienung.

Stadtbesichtigung

Historisches Nürnberg

Das Wetter an diesem Juni-Wochenende war wechselhaft. Trotzdem schien im richtigen Moment immer die Sonne. So konnte ein Großteil der Altstadtführung am Samstagvormittag im Trockenen ablaufen. Das Ehepaar Gabriele und Reinhard Hahn von den Altstadtfreunden Nürnberg führten die interessierten Gäste in zwei Gruppen durch die Burg, an wunderschön restaurierten Altstadthäusern vorbei bis zur gotischen Basilika St. Lorenz. In ihren Erklärungen lebte die bedeutende und bewegte Geschichte der Stadt ­ von den Nürnberger Meistersingern über die Nürnberger Gesetze bis hin zum Nürnberger Christkindlsmarkt ­ wieder auf.

Herzliche Aufnahme

NAK Nürnberg-Ost Der Vorsteher des Bezirks Nürnberg-Ost und Vater von Regenbogen-Mitglied Ralph, Bezirksältester Helmut Simon, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der neuapostolischen Kirche Nürnberg-Ost, in der die zweite Hälfte des Programms am Samstag stattfand. Ebenfalls zugegen war Hirte Jürgen Weiß, der Vorsteher der Gemeinde. Zudem hatte Ralph Familien- und Gemeindemitglieder mobilisiert, die während des Nachmittags und Abends für das leibliche Wohl sorgten. Ein ganz großer Dank an dieser Stelle nicht nur für die belegten Brötchen, das schmackhafte Kuchen- und Salat-Büffet, die Köstlichkeiten vom Grill und die kalten und warmen Getränke, sondern auch für die Herzlichkeit und Offenheit der Helfer und Gemeindemitglieder, die eine Atmosphäre geschaffen haben, in der man sich einfach nur wohl fühlen konnte.

Intensive Arbeitsphase

Auf der Tagesordnung stand am Nachmittag neben der Planung der kommenden Treffen die Bildung von Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen. Diese sollten erste Gedanken austauschen und einen Termin für ein Arbeitstreffen festlegen. Anschließend wurden die Ergebnisse der einzelnen Gruppengespräche im Plenum vorgestellt. So präsentierte die AG "Öffentlichkeitsarbeit" erste Ideen, wie der Bekanntheitsgrad der Regenbogen-NAK gesteigert werden kann. Die AG "Informationsmaterial", die sich um die Inhalte der Aufklärungsarbeit kümmern soll, kündigte eine gründliche Überarbeitung der bestehenden Info-Broschüren an. Auch zu den Themen "Individuelle Seelsorge" und "Präsenz auf dem Europäischen Jugendtag 2009" formierten sich Arbeitsgruppen. Schließlich berieten Redaktionsteam und Webmaster über Umstrukturierungen und Wege, den Internetauftritt der Gruppe zu verbessern.

Besonderes Gedenken an Entschlafene

Einen emotionalen Höhepunkt stellte die Einstimmung auf den Gottesdienst für Entschlafene, der eine Woche später statt fand, dar. Bezirksältester Simon wies auf die dunkle Vergangenheit Nürnbergs hin: In der Stadt wurden unter den Nationalsozialisten jene schrecklichen Gesetze beschlossen, die für Andersdenkende und Andersgeartete Leid oder sogar Tod bedeuteten. Neben den Juden starben auch viele homo-, bi- und transsexuelle Menschen. Speziell dieser sollte in den darauffolgenden Augenblicken gedacht werden. Zusammen sangen die Anwesenden das Lied aus dem Gesangbuch 111: "O komm mit mir" ­ ein Gruß ganz besonders an jedes "arme, müde" Herz, das in dieser Welt "nicht Frieden fand". Beim anschließend von Flöte und Orgel vorgetragenen Stück "Treff ich dich wohl bei der Quelle" hatte jeder die Gelegenheit, sich ganz persönlich mit der Ewigkeit zu verbinden. Im abschließenden Gebet stellte der Bezirksälteste noch einmal ganz direkt den Bezug zu denjenigen Seelen her, die ihrer sexuellen Neigung wegen Leid ertragen oder sterben mussten.

Feiern mit Carmen und Inge Meysel

Nach einem erfrischenden Spaziergang zum Wöhrder See endete der Tag mit einem fröhlichen Grillfest im Garten der Kirche. Dazu waren einige Freunde und Gemeindemitglieder gekommen. Umrahmt wurde die Feier von einem bunten Showprogramm: Ein Gesangs- und Gitarrenduo gab Oldies und Ohrwürmer zum Besten, eine etwas andere Aufführung der "Habanera" aus der Oper "Carmen" und eine Parodie der Berliner Sängerin Helga Hahnemann sorgten für herzhafte Lacher aus dem Publikum. Schließlich durfte auch die inzwischen zur Regebogen-Kultfigur avancierte Inge Meysel nicht fehlen, und sie sparte wie immer nicht mit Späßen unterhalb der Gürtellinie. Daneben blieb viel Zeit für interessante Gespräche untereinander und mit den Gemeindemitgliedern.

Dein Bruder ist so gut wie du!

Am folgenden Morgen versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder in der Kirche in Nürnberg-Ost. Gemeinsam besuchten sie den Gottesdienst, den Bezirksältester Simon hielt. Der Predigt lag ein Wort aus 2. Timotheus 2, 20-21 zu Grunde. Wieder stand die Vorbereitung auf den Gottesdienst für Entschlafene im Mittelpunkt. Und bei dem einem oder anderen Satz konnten sich auch die Geschwister der Regenbogen-NAK ganz persönlich angesprochen fühlen: so zum Beispiel als ein Priester davon sprach, dass die Geschwister mit ihrer Buntheit die Mitmenschen im Alltagsgrau anstecken sollten. Oder als der Hirte das bekannte Gedicht "Dein Bruder" vorlas. Denn vor dem Hintergrund des zum Teil schwierigen Kampfes homo-, bi- und transsexueller Geschwister um Akzeptanz und Toleranz bekamen die Worte des Gedichts ein ganz neues Gewicht:

Und wenn er auch gleich anders ist in seiner Art, als du es bist,

Das lässt noch nicht das Urteil zu, dass er drum schlechter sei als du.

Und ist er manchmal auch verquer ­ bist du nicht auch so schlimm wie er?

Drum liebe ihn und lass es zu: Dein Bruder ist so gut wie du!

Chorprobe

Als Dankeschön für die herzliche Aufnahme sang zum Abschluss des Gottesdienstes ein am Vortag spontan gegründeter Chor aus Mitgliedern der Regenbogen-NAK das Lied "Der Heiland sorgt für dich".

Schwerer Abschied

Zu einem letzten gemeinsamen Essen für dieses Wochenende trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Biergarten des Gasthauses "Marientorzwinger". Der unweit gelegene Hauptbahnhof machte sich schon bald spürbar. Der Abschied fiel nach einem so erlebnisreichen Wochenende sichtlich schwer. "Ich werde es schwer haben, zu Hause zu berichten wie es war", sagt ein junger Teilnehmer, der zum ersten Mal auf einem Treffen der Regebogen-NAK war. " Das Wort ´schön´ ist viel zu schwach, um das auszudrücken, was ich hier erlebt habe." Mit Wehmut im Herzen, aber auch gestärkt durch die erlebte Gemeinschaft machte sich jeder wieder auf den Weg an seinen Ausgangsort.

 


Nächste Treffen:

4.-6. Mai 2018 : Münster (Deutschland)

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