Der Beginn des Regenbogens – Wie die Initiative entstand

In seinem Kopf existierte die Regenbogen-NAK schon vor ihrer Gründung im Jahr 1999. Gemeinsam mit engagierten Schwestern und Brüdern legte Bernd den Grundstein für die Gruppe. Ein Mitglied der ersten Stunde erinnert sich.

In der Gemeinde Bendorf bei Koblenz sitzen an jenem Sonntag zwanzig Schwestern und Brüder mehr als sonst. Bernd ist einer von ihnen. Die Erleichterung und Freude ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Er hatte keine Ahnung, wie die Gemeinde auf eine Gruppe homosexueller Geschwister reagieren würde, die in ihre Kirche kommt. Es ist eine von vielen Premieren an diesem Wochenende. Schnell zeigt sich an diesem Morgen aber: Alle Sorgen waren umsonst. Bernd und die Anderen werden herzlich und geschwisterlich aufgenommen. Was Bernd zudem glücklich macht: Noch nie saß er mit so vielen anderen schwulen und lesbischen Geschwistern in einem Gottesdienst. Überhaupt ist es an diesem Wochenende Anfang Oktober 1999 das erste Mal, dass homosexuelle Mitglieder der Neuapostolischen Kirche zu einem organisierten Treffen zusammen kommen.

Start auf einer Mailing-Liste

Schon öfters hatte sich Bernd Gedanken gemacht, wie er andere homosexuelle Geschwister kennen lernen könnte. Anzeigen in der Kirchenzeitschrift „Unsere Familie“ waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. Mitte der 1990er-Jahre lernte er über die ökumenische Gruppe HuK („Homosexuelle und Kirche“) Klaus, einen Glaubensbruder aus dem Süden Deutschlands kennen. „Er war tatsächlich erst der zweite schwule Glaubensbruder, der mir jemals über den Weg gelaufen war“, erzählt Bernd. Mit dem aufkommenden Internet bot sich dann eine neue Chance. Als Technikfan hatte Bernd schon früh einen Internet-Zugang. Er meldete sich auf einer Mailing-Liste für neuapostolische Geschwister an, entdeckte die Seiten von Glaubenskultur. In beiden Foren gab es Ende 1997 Diskussionen über das Thema NAK und Homosexualität. „Unter den Diskussionsteilnehmern lernte ich nach und nach Gleichgesinnte kennen“, berichtet Bernd.

Unterstützung aus den Niederlanden

Über die Mitglieder der Mailingliste kam Bernd in Kontakt mit Tim und Ronald aus Amsterdam, die bei Het Apostolisch Genootschap bereits eine schwul-lesbische Gruppe aufgebaut hatten. Ronald half Bernd dabei, eine Homepage zum Thema NAK und Homosexualität zu gestalten. Ende 1998 stellte Bernd diese online. „Nach und nach meldeten sich Geschwister bei mir. Es gab viel positive Resonanz auch von heterosexuellen Lesern der Homepage“, so Bernd. Kontakte zur zeitgleich entstehenden Homepage „Pink-NAK“ ließen sich nur schwer knüpfen. Mitte 1999 eröffnete ein Mitglied der Mailing-Liste, bei der auch Bernd angemeldet war, eine eigene Mailingliste für homosexuelle Geschwister: Rosa-NAK.

Einladungen zum ersten Treffen

Über die neu gestaltete Diskussionsplattform entstand schnell der Wunsch der Mitglieder, sich einmal persönlich zu treffen. Bernd kümmerte sich um die Organisation des Treffens, das für das erste Oktoberwochenende angesetzt wurde. Bernd lud die Teilnehmer per E-Mail, aber auch telefonisch ein. Das Internet verbreitete sich zu der Zeit erst nach und nach. „Zehn Jahre früher, als es das Internet noch nicht gab, wäre so ein Treffen noch unmöglich gewesen“, erklärt Bernd. Zum Teil merkt Bernd schon am Telefon, dass es nicht einfach sein würde, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. „Es gab solche, die mit überzogenen Forderungen und radikalen Mitteln schnelle Veränderungen in der Kirche bewirken wollten und andere wie mich, die eher behutsam und diplomatisch vorgehen wollten.“

Wer sind wir? Was wollen wir?

Beim ersten Treffen der „lesbischwulen neuapostolischen Christen“, wie man sich provisorisch nannte, dominierte aber die Freude über das Kennenlernen und die Gemeinschaft. 23 lesbische und schwule Geschwister kamen ins Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf bei Koblenz. „Für mich war es ein wunderschönes Gefühl, mit so vielen schwulen und lesbischen Geschwistern zusammen zu sein“, erinnert sich Bernd. Seine Nachrichten über die Mailing-Liste signierte er zu der Zeit immer mit der Liedzeile: „Sind auch mannigfach die Saiten, eine Harfe fasset sie. Lasst uns unsre Herzen weiten, zu der Liebe Harmonie.“ Das Empfinden und der Wunsch nach Einheit in der Vielfalt fand sich auch in den Grundsatzüberlegungen dieses Wochenendes wider. Wer sind wir? Was wollen wir? Wie erreichen wir diese Ziele? Das waren die wichtigsten Fragen, die auf dem Programm standen. Auf Anfrage beim Kirchensprecher nach einer Stellungnahme anlässlich der Gründungsveranstaltung hatte Peter Johanning einen Brief geschickt, der vorgelesen wurde.

Ein Name für die Gruppe

Über den Namen der Gruppe wurde lange diskutiert. Es gab zwei Favoriten: „Rosa-NAK“ oder „Regenbogen-NAK“. Schlussendlich setzte sich „Regenbogen-NAK“ durch. „Ich war sehr froh darüber“ erzählt Bernd. „Der Regenbogen symbolisiert für mich die Vielfalt und ist zudem das christliche Symbol der Verbindung mit Gott.“ Das Treffen war ein voller Erfolg. Die Teilnehmer nahmen viel Kraft und Freude, aber auch Aufgaben und Pläne mit nach Hause. Einen Monat nach dem Treffen meldete Bernd die Internet-Domain regenbogen-nak.de an, unter der die Homepage der Gruppe fortan lief. In Diskussionen im Anschluss traten zum Teil unterschiedliche Vorstellungen zutage. Ein Bruder aus dem Ruhrgebiet, der gegenüber der Kirche ein forscheres Vorgehen anvisierte, gründete eine eigenständige Gruppe. So waren beim zweiten Treffen in Mayen zwar weniger Teilnehmer anwesend. Diese hatten aber ähnliche Vorstellungen, wie es weitergehen sollte.

Etwas bewegen

Das Motto des Hedwig-Dransfeld-Hauses, in dem das erste Treffen stattfand, war ein Satz von Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ In dieser Gesinnung trafen sich auch die Mitglieder der neu entstandenen Regenbogen-NAK, mit viel Tatendrang und dem Wunsch, etwas für sich und viele andere homosexuelle Geschwister in ihrer Kirche zu bewegen.


Nächste Treffen:

28.-30. April 2017: Amsterdam (Niederlande)
Bitte um Anmeldung bis 29.3.!

27.-29. Oktober 2017: Offenbach (Deutschland)

Achtung: Neue Kontoverbindung!

Regenbogen-NAK

Volksbank Ruhr Mitte eG

IBAN: DE74 4226 0001 0508 7598 00

BIC: GENODEM1GBU

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